Zu Hause in der ehemaligen Seidenwinderei

An einem dieser wunderbaren Spätsommertage traf ich mich mit der Eigentümerin in 5. Generation bei einer Tasse Tee und sie erzählte mir ihre Kindheitserinnerungen über ihr geliebtes Elternhaus – einer ehemaligen Seidenwinderei, die ich Ihnen nicht vorenthalten möchte:

Kleine Zeitreise mit Cäcilia und Mathilde

Im Jahr 1830 erwarb mein Ur-Ur-Großvater das Gebäude, das damals vermutlich das Erste im sogenannten „Bockumer Busch“ war – neben zahlreichen, verstreut liegenden Bauerngehöften.
Damals hieß die heutige Kreuzbergstraße (benannt nach dem Wegekreuz in der Biegung und dem leichten Anstieg bis zur Kuppe der Straße) noch „Vreedpad“ und führte in die heutige Vreed, eine Senke die durch den Mörsbach entstanden war.
Meine Großmutter Maria Cäcilia betrieb gemeinsam mit ihrer Schwester Mathilde in der Weimarer Republik bis nach dem 2. Weltkrieg eine Seidenwinderei im heutigen Wohnzimmer.
Man arbeitete daheim und ging einmal die Woche mit den Spulen in die Stadt zu einer Seidenweberei und nahm neues Rohmaterial wieder mit nach Hause.
Einmal die Woche war Waschtag – eine Erinnerung hieran ist heute noch die Wanne in der Waschküche.
Das Tonnengewölbe im Keller des Hauses ist bis heute ein idealer Lagerraum für Gemüse und Früchte. Das ganze Jahr hindurch sind Luftfeuchte und Temperatur konstant.

Seidenwinderei schwarz-weiss Foto
Foto aus dem Jahr 1955 mit der historischen Fassade und Jugendstil-Ornamenten

Zwischen Weinbergpfirsich und Zwetschge wohnt die gute Luise

Schon früh zeigte sich, dass das Land fruchtbar genug war, um auch sehr große Familien zu ernähren. Bis in die 90er Jahre des letzten Jahrhunderts hat mein Vater Herbert ca. 60% des Grundstücks für den Anbau von Gemüse, Obst und Beerensträuchern genutzt. Der Baumbestand mit alten Sorten wie „Roter Weinbergpfirsich“, „Rote Sternrenette“, „Klarapfel“, „Blenheimer“, „Mirabelle von Metz“, „Roter Boskoop“, Zwetschge „The Czar“ und der Birnensorte „Gute Luise“ zeugt heute noch davon.
Die Weinrebe an der sonnigen Wand des Gebäudes ist nachweislich etwa 100 Jahre alt und trägt Muskatellertrauben.
Soweit meine Erinnerungen zurückgehen, wurde das Land immer nur biologisch bewirtschaftet. Kunstdünger und insbesondere Pflanzenschutzmittel wurden nicht verwendet.

Seidenweberei Blick in den Garten

Wo Meister Lampe und Wutz im Scheinwerferlicht standen

Die Nebengebäude sind Relikte aus einer Zeit in der man noch Hühner, Kaninchen und Schweine für den eigenen Bedarf hielt. Hier befand sich zudem im 2. Weltkrieg eine Manufaktur für Autoscheinwerfer.

Seidenweberei Innenhof
Innenhof

Gutes Karma

Dieses Haus ist, solange ich zurück recherchieren konnte, ein glückliches Haus gewesen. Es blieb verschont von familiären Katastrophen, Luftangriffen im Krieg und – viel wichtiger – negativen Gedanken. Das Haus verströmt eine positive Energie auf jeden der es betritt!

Seidenweberei Gemüsegarten
Gemüsegarten

Ich hoffe, dieser historische Ausflug hat Sie genau so begeistert wie mich und in Ihnen Visionen geweckt, wie man in dieser Immobilie auch in Zukunft rundum glücklich und zufrieden leben kann!

Ihre Silke Leiber
September 2020

Kategorie: Historisches